Umbau: Alter Pizzabackofen wird zum SMD-Reflow-Ofen umgebaut (Teil 1 von n)

Ich möchte in nächster Zeit ein paar Projekte beginnen/fertigstellen (eher beginnen), dabei werden einige Lötarbeiten anfallen. Details dazu kommen natürlich (sobald angefangen) auf den Blog.

Hier mal ein Foto von meinem neuestem Projektkandidaten, dem “Euro Line 850 W Super Power”:

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Ja, Ihr habt richtig gelesen, das Teil kann eine Pizza in 10-12 Minuten (siehe Bild) zubereiten. Leider hab ich schon einen Backofen. Es wäre doch zu schade den kleinen Ofen (der lange gute Dienste geleistet hat) wegzuwerfen.

Daher möchte ich ihn zum SMD-Reflow-Ofen umbauen.

 

Was ist den überhaupt ein SMD-Reflow-Ofen?

Mit einem Reflow-Ofen kann man ganz einfach und schnell Bauteile (viele auf einmal) auf einer Platine auflöten.

Im Grunde läuft das immer so ab:

  1. Lötpaste auf den Lötstellen aufbringen
  2. Bauteile (die Lötpaste ist etwas klebrig, daher halten die Bauteile darauf) anbringen
  3. Ab in den Ofen -> Lötpaste verflüssigt sich und Bauteile und Platine verbinden sich durch die Lötpaste
  4. Profit?!

Vor einiger Zeit bin ich in einem Elektor Artikel über den Umbau eines Pizzabackofens zum SMD-Lötofen gestolpert, daher freue ich mich sehr dass ich endlich damit anfangen konnte. Die Anleitung muss noch irgendwo rumliegen.

Wieso überhaupt selber bauen ?

  • Hobby Reflow-Öfen und professionelle Öfen kosten schnell mal 500 € oder mehr. Ich will nicht behaupten dass meine Variante genauso gut funktionieren wird, aber was ist mit 30 € (Ofen: geschenkt, Arduino 25€, weitere Bauteile ~5€?) schon verloren?

Nun mal zu meinen Projektanforderungen:

  • Frei Programmierbare Temperaturkurve (via Interface am Ofen oder am PC)
  • Temperaturanzeige (via Anzeige am Ofen oder am PC)
  • Benachrichtigung wenn Vorgang abgeschlossen (via Anzeige, Bing! (das Geräusch) oder am PC )
  • Eventuell mehrere Temperatursensoren, um eine genauere Steuerung zu ermöglichen (Unten, Oben + an der Platine wäre toll)

Als erstes will ich mir mal ansehen wie sich der Ofen zerlegen lässt und wie er funktioniert.

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Aufschrauben lässt er sich ganz einfach, die meisten Elemente wurden mit verbogenen Laschen aneinander befestigt/verklemmt (ziemlich billig 😉 ), und in dem Ofen waren ungefähr 5 Millionen Brösel und Essensreste (mjam). Das musste alles einmal geputz werden und nahm ungefähr 3 Stunden am Sonntag in Anspruch.

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Hier sieht man die “Steuerung” des Ofens. Bei dem Oberen Drehschalter kann  man zwischen Ober-, Unter- und Ober+Unterhitze umschalten. Der Untere ist eine Zeitschaltuhr. Mehr Elektronik ist bis auf die 2 Heizstäbe nicht vorhanden. Perfekt für einen Umbau :)!

Auf dem nächsten Bild habe ich den Temperaturschalter, der die Heizstäbe abdreht sobald eine bestimmte Temperatur überschritten ist ausgeschnitten:

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Der Plan ist, die Zeitschaltuhr und den Temperaturschalter durch meine eigene Schaltung zu ersetzen. Durch gezieltes Ein- und Ausschalten der Heizstäbe mit Hilfe von Relais möchte ich dann programmierte Temperaturkurven erhalten. Wir werden sehen wie gut das dann wirklich funktioniert.

Nach dem Reinigen habe ich schnell ein kleines Programm geschrieben, mit dem ich mit einem Sensor die Temperatur messen konnte. Der Sensor ist mit einem Arduino verbunden und hängt mit einem Stück Kabelschutz eines Bügeleisens (diese Kabelschoner sind nämlich brandsicher) in den Ofen.

Hier ein Bild von meinem Setup:

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Nachdem der Code auf den Arduino geflasht wurde, konnte die Messung starten:

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Der Sensor sah nachher so aus:

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Also doch nicht so ganz Hitzebeständig ;). Aber wenigstens hat nichts geraucht oder gebrannt.

 

In dem Programm am Arduino messe ich alle 500 ms die Temperatur und schreibe sie über die serielle Schnittstelle raus, damit ich sie am Computer auslesen kann. Dabei habe ich (weils schnell geht und super praktisch ist) das CSV Format verwendet.

Als nächstes wollte ich mit Libreoffice schnell ein Diagramm erstellen, aber die Software ist einfach ultra-langsam. Ich habe gerade einmal 2700 Messwerte und Libreoffice ruckelt als ob ich auf einem Pentium 3 Rechner mit 128 MB RAM arbeiten würde. -> Geht gar nicht. Alternative: gnumeric, funktioniert super-flott und wusste auch gleich was ich von ihm wollte mit den Messwerten. Hier mal der Plot:

messung1

Die Y-Achse ist die Temperatur und die X-Achse die Zeit in 500 ms Schritten. Also der Wert 500 ist in Wirklichkeit 250 Sekunden oder 4 Minuten, 10 Sekunden (für die Rechenfaulen).

Anhand des Graphen kann man sehr gut erkennen wo der Temperaturschalter die Heizstäbe abdreht und wo sie wieder eingeschalten werden. Die Maximaltemperatur war mit dem Temperaturschalter 255 Grad Celsius.

Dieses Wochenende werde ich mir das einmal genau anschauen und den Temperaturschalter ausbauen bzw. überbrücken. Mal schauen wie heiß der Ofen wird und wie gut sich das dann steuern lässt.

One thought on “Umbau: Alter Pizzabackofen wird zum SMD-Reflow-Ofen umgebaut (Teil 1 von n)

  1. Pingback: Reflow-Ofen mit IBoard EX | Plaintron Blog

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