Warum ich (noch immer) Gentoo Linux verwende

Vor ein paar Tagen ist Dota 2 für Linux auch endlich für mich verfügbar geworden (man kam auf eine Warteliste, weil die Publisher einen zu hohen Andrang auf die Server befürchteten), und mit einiger Vorfreude (die Ernüchterung folgte schnell) machte ich mich daran, unter Gentoo Steam zu installieren.

Letztendlich, nach einem Tag war es soweit. Steam “funktionierte”, “gleich mal” Dota 2 geladen (sind ja nur 5 GB 😉 ) und wollte loslegen. “Wollte”. Natürlich funktionierte nichts. Das Intro wurde abgespielt und ich kam in etwas, das wohl ein Menü sein sollte, mehr ging aber nicht. Nach endlosen rumprobieren, irc #gentoo Sessions und Bugreports durchlesen (ich glaube ich habe mittlerweile jeden existierenden gelesen) hab ich aufgegeben und auf meinem StandPC wo (noch?) Ubuntu 13.04 läuft.  Dann Steam installiert (5 minuten mit Download) und Dota wieder geladen (1 h) und alles funktionierte anstandslos.

Eigentlich halte ich ja nicht so viel von Ubuntu, daher war das für mich sowas wie ein Schlag ins Gesicht 😉 .  Sicher, das meiste funktioniert “out-of-the-box” nach einer Ubuntu-Installation, im Gegensatz zu Gentoo (oder anderen Distribtutionen). Natürlich hinkt der Vergleich etwas, die Distributionen wenden sich an völlig unterschiedliche Nutzer. Aber auch die Firmenpolitik und das Motto von Ubuntu (das Offizielle konnte ich leider nicht finden), denn in letzter Zeit verhält sich die Distro immer ähnlicher den großen (skrupelosen?) Konzernen/Betriebssystemherstellern), ist Mist.

Angefangen hat alles mit Unity (gefällt das sonst jemanden?), dann auch noch die Entscheidung dem Displayserver Mir den Vorzug zu geben (und nicht Wayland)[…]. Ubuntu ist auch nicht gerade Ressourcenschonend und schnell. Sucht einfach mal im Internet nach ein paar Benchmarks mit anderen Distributionen. Übrigens: Ubuntu verwendet für die Desktop und die Servervariante den gleichen Kernel.

Was wird nun aus Ubuntu in Zukunft werden? Zur Zeit sieht alles so aus als würde sich ein neues Betriebssystem etablieren. Allerdings wirds wohl diesmal auch wieder kein reines OpenSource Betriebssystem sondern nur eine freie Basis. (Das hatten wir doch schon mal?)

Bei Apple und Android ist das ja ähnlich. Beide Systeme verwenden als Unterbau ein freies OS(Wobei man natürlich streng Unterscheiden muss zwischen der BSD und der GNU/Linux (GPL) Lizenzierung). Apple setzt auf den XNU Kernel und baut darauf mit propertiären Bibliotheken (darauf sitzt dann die Aqua Oberfläche usw.) sein System, und Android macht das ähnlich. Den mit einem Android Handy/Tablet/Wasauchimmerbekomme ich kein Linux für die Hosentasche/Rucksack/Wasauchimmer. Mit Android erhalte ich ein verstümmeltes Linux, das einzige was es zum Linux macht ist der Kernel, denn der Rest ist ähnlich wie bei Apple’s Mac OS X, auf dem Kernel sitzen dann hauptsächlich andere Bibliotheken. Ich muss mit “Apps” arbeiten die unter einem Java Runtime Environment laufen.  Deshalb auch die verhältnismäßig schlechtere Leistung des OS. Und deshalb brauche ich auch eine Quad Core CPU um eine akzeptable Geschwindigkeit auf meinem Handy (fürs Webbrowsen, ha!) zu bekommen.

 

Ubuntu fährt eine ähnliche Schiene. Sie bauen ein OS zusammen, das irgendwie auf GNU/Linux basiert aber halt dann doch auf eigene Lösungen setzt. Ein Handy wollen die ja jetzt auch bald rausbringen.

 

Ich bin nun ein bisschen abgeschweift, eigentlich ärgert mich dass ich es nicht zustande gebracht habe auf meinem Gentoo install Dota2 zum Laufen gebracht zu haben. Jedenfalls, nach dem Debakel mit Dota2 auf meinem Laptop (da läuft Gentoo) hab ich überlegt auf eine andere Distribution zu wechseln. Fedora, ArchLinux (schon gehabt),… die Auswahl ist ja gigantisch, wers nicht glaubt -> distrowatch.

Aber mich konnte einfach keine Distro überzeugen, ausschlaggebend ist für mich einfach immer der Paketmanager. Fedora verwendet YUM, ArchLinux pacman und Gentoo portage. Nichts kann mit portage mithalten. Standardmäßig setzt portage schon mal auf eine färbige Ausgabe (jaja ich weiß, für pacman gibts da ja “pacman-color” und seit pacman 4.1 gibts eine Option in der Config für färbige Ausgabe). YUM ist immerhin besser als apt (Debian & Ubuntu), aber einfach nicht zufriedenstellend. Abgesehen davon, kann ich (wenn ich will) mir unter Gentoo jeden anderen Paketmanager installieren und einrichten (zugegeben, abgesehen von opkg hab ich das mit noch keinem Anderen probiert).

Dazu kommt natürlich, unter Gentoo kann ich (muss ich) mir alle Pakete selber bauen, kann entscheiden ob ich zb. für Desktop Environments wie KDE/Gnome Support im Programm mitkompilieren (“einbauen”) will oder nicht. Seit ich meinen ersten Linux Kernel selbst kompiliert habe, will ich auch nicht mehr dass das jemand anderer für mich macht, und da verzichte ich gerne (obwohl ich sicher bin, dass ich eines Tages doch noch hinbekomme) auf Dota2 auf meinem Laptop.

Bisher habe ich auch am meisten über Linux mit Gentoo gelernt. Man setzt sich (weils hier und da gern mal Probleme gibt) mehr mit dem System auseinander, als man das vermutlich mit einem anderen System machen würde. Im laufe der Zeit bekommt man eine Idee davon, wo man am besten zu suchen beginnt, wenn etwas nicht so funktioniert wie es sollte. Mir ist das vor allem in der Arbeit sehr oft von nutzen. Hätte ich ein System wo immer alles perfekt funktioniert (ich bin sicher es gibt User die das mit Gentoo schaffen) dann würde ich mich sicher nicht so sehr mit bestimmten Komponenten des Systems (zb.: Kernel) beschäftigen.

Lange wird es wohl nicht dauern, dann werd ich auch Ubuntu von meinem StandPC verbannen und auch dort ein Gentoo aufsetzen. Unter Ubuntu habe ich einfach nicht das Gefühl der vollständigen Kontrolle über das System. Zum Entwickeln ists ja prinzipiell egal welche Distribution man einsetzt, denn die Lieblingswerkzeuge sind in Paketform (sonst muss man selber Kompilieren) für beinahe jedes Linux-Derivat vorhanden.

Zum Schluss noch ein großartiges Video teilen, welches eine Gentoo Installation ganz gut zusammenfasst:

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